Wie Sportvereine zur Integration beitragen

Breitensportvereine können einen wertvollen Beitrag zur Integration Geflüchteter leisten. In einer qualitativen Untersuchung konnte Sebastian Altmann am Beispiel des FT Gern München zeigen, wie geflüchtete Kinder und Jugendliche in dieser Hinsicht von der Vereinszugehörigkeit profitieren können. In einem Gastbeitrag stellt er zentrale Ergebnisse vor.

Von Sebastian Altmann

Verstärkt seit dem Jahr 2015 sind viele Menschen als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen. Bei der Integration dieser Menschen spielen Sportvereine eine wichtige Rolle. In meiner Masterarbeit habe ich diese Rolle am Beispiel des FT München Gern genauer betrachtet. Über einen Zeitraum von sechs Monaten hinweg habe ich dort die Integration geflüchteter Kinder und Jugendlicher wissenschaftlich begleitet und am Ende einen Handlungsleitfaden erarbeitet, der allen Breitensportvereinen mit auf den Weg gibt, wie Integration erfolgreich funktionieren kann.

Dem Leitfaden liegen qualitative Interviews mit Verantwortlichen und Mitgliedern des FT München Gern sowie dem Clean Projekt Neuhausen, das sich vorrangig der Betreuung von Flüchtlingskindern widmet, zugrunde. Aus den Gesprächen ging hervor, warum Breitensportvereine effiziente Institutionen in der Integrationsarbeit sind und in welchen Bereichen diese Arbeit wirkt.

Dazu einige Beispiele:

  • Sprache: Durch eigene Sprachkurse (wenn der Verein die Möglichkeit hat), aber auch nur den alltäglichen Sprachgebrauch während des Sports kann ein Lerneffekt erzielt werden, der die sprachliche Entwicklung in einer freizeitbezogenen Umgebung fördert. Das bedeutet, der Druck, den es bei schulischem Lernen gibt, existiert nicht und die Sprachbildung findet in einer positiven und lernfördernden Atmosphäre statt.
  • Freizeitgestaltung: Die Vereine können einen großen Beitrag zur Freizeitgestaltung leisten. Die Fähigkeiten und Kompetenzen der Geflüchteten sollten im Mittelpunkt stehen, da sie in erster Linie Kinder und Jugendliche mit ganz normalen Bedürfnissen sind. Wesentlicher Bestandteil dieser Aktivitäten ist der Sport, denn dieser ist international und viele Kinder kennen ihn aus ihrer Heimat. Der Sportverein kann ihnen in einem geschützten Rahmen diese Möglichkeit geben.
  • Soziales Umfeld bzw. Freunde: Freizeit- bzw. Sportangebote sollen dazu beitragen, soziale Interaktionen zwischen unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen zu unterstützen. Durch Sportangebote, die über spezifische Sportarrangements körperliche und gesellige Interaktionen und somit soziale Kontakte zu einheimischen Kindern ermöglichen, können sich Flüchtlingskinder ein positives soziales Umfeld aufbauen.

Das soziale Umfeld bzw. die Freunde, die Situation in Kindergarten und Schule, eine Vereinszugehörigkeit und die Freizeit sind integrationsfördernd. Die Sprache hingegen sehe ich als zentrales Feld der Integration.

Michael Franke, Vorstand FT Gern München

Die Beispiele zeigen, wie Breitensportvereine Integration fördern und möglich machen. Die Vereine dürfen ob dieser wichtigen Funktion nicht alleine gelassen werden und benötigen Unterstützung aus Politik und Verwaltung.

Über den Autor:

Sebastian Altmann studierte am Campus M21 in München Sport-, und Gesundheitsmanagement. Mittlerweile leitet er die Kindersportschule des TSV Dachau 1865 und engagiert sich dort stark für das Thema Integration. Durch seine jahrelange Erfahrung im Vereinssport kennt er die Verantwortung, die Vereine im Bereich Integration tragen und in Zukunft auch weiterhin übernehmen müssen.

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